Pressestimmen

22. April 2013 | von Manfred Ofer

Mit der Geige auf Sinnsuche

Konzert – Johannes Krampen spielt in Fürth barocke und zeitgenössische Musik.

Der Geiger Johannes Krampen präsentierte am Donnerstagabend in der Studiobühne in Fürth ein beeindruckendes Soloprogramm unter dem bezeichnenden Titel „Violosophy – The solo violin”.

Es kommt selten vor, dass ein Künstler ein derartig auf das Wesentliche reduziertes Ambiente in der Studiobühne Fürth erzeugt. Ebenso bescheiden mutete das freundliche „Guten Abend“ an, mit dem sich Johannes Krampen zu Beginn seines Konzerts dem Publikum vorstellte. Ein Mann und seine Violine – mehr ist nicht nötig für zwei Stunden konzentrierte Musik.

Krampen überzeugte und überraschte gleichermaßen mit seinem virtuosen Spiel – und der Auswahl seiner Stücke. Er verband Musik von Johann Sebastian Bach, dem kanadischen Komponisten John David Thrower und dem Spätromantiker Eugène Ysaÿe mit Texten, die er während seines Auftritts vorlas, zu einem Gesprächskonzert.

Ehrlich, intuitiv und getragen von technischer Brillanz offenbarte sich in der Folge die ganze Kraft, welche der Musik innewohnt. Deshalb entschied sich Krampen dazu, seinem Debütalbum den Titel „Violosophy“ zu geben. Ausschnitte daraus prägten auch das Konzert in Fürth. Geigenvirtuosen wie Nikos Skalkottas, Niccolo Paganini und Ysaÿe haben es ihm besonders angetan. Er erachtet sie als inspirierende Quelle seines eigenen musikalischen Schaffens. Es sind Künstler, die mit ungewöhnlichen Interpretationen klassischer Werke neue Maßstäbe gesetzt haben.

Wer am Donnerstag in der Studiobühne war, entdeckte mit Krampen den ,Punk’ im Universum der klassischen Violine. Aus der Feder des griechischen Komponisten Skalkottas, der in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als junger Mann in Berlin bei Arnold Schönberg studierte, stammt die heute kaum noch bekannte „Sonate für Violine, allein“.

Ein erstaunlich modernes Werk, geschrieben in temperamentvollen Spannungsbögen, gar von „ausgeflippter“ Natur, wie Krampen ankündigte. Unerwartete Intermezzi, Akkorde und emotionale Stilbrüche machten die Faszination des Werks aus. Vom Komponisten John Thrower stammt „Through time and space“, das der Engländer zwar schon 1984 geschrieben hat, doch erst kürzlich von Krampen uraufgeführt wurde. Der Gedanke, eine spirituelle Sinnsuche in Töne zu fassen, prägt dieses wuchtige Stück.

Verborgene Schätze gibt es nach der Pause

Noch mehr verborgene Schätze bekam das Publikum nach der Pause geboten. „Funerals and Fandangos“ lautete der Titel eines stürmisch auf den Saiten von Krampens Violine wogenden Totentanzes von Michael Berkley, einem zeitgenössischen Komponisten, der durch seine Filmkompositionen, unter anderem das Bond-Thema „Goldeneye“, Bekanntheit erlangte. Nach rund zwei Stunden, in deren Verlauf der Solist auf der Bühne so manche klassische Konvention auf mitreißende Weise ad absurdum geführt hatte, war es ein Satz aus einer Bach-Sonate, der das Ende des Konzerts einläutete.

Doch der letzte Vorhang sollte noch nicht gefallen sein. Das Publikum wünschte sich nachdrücklich eine Zugabe, die es auch bekommen sollte. „Das war mal etwas anderes“, stellte ein Gast tief beeindruckt fest und brachte es auf den Punkt.

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22.04.2013 | von Marina Schaab |Odenwälder Nachrichten

Instrument, Künstler und Musik begeistern

Konzert: Violinspieler Johannes Krampen in der Studiobühne

Führt. Musik ist seit jeher Ausdruck tiefster Empfindungen und kollektiver Identität. Sie ist eine universelle Sprache und ein menschliches Bedürfnis und somit als Abbild archaischer Motive und Ausdrucksform innerer Prozesse untrennbar mit der Philosophie verbunden. Die philosophische Verbindung von Musik in Verbindung mit ihrer universellen Erscheinungsform über das Instrument Violine hat einen neuen Vertreter gefunden, der seines gleichen suchen dürfte: Johannes Krampen

Betörendes Programm

Mit seinem Programm „Violosophy – the solo violin“ hinterließ Krampen ein bewegtes und nicht weniger angenehm irritiertes Publikum in der Studiobühne. Ein Abend voller außergewöhnlicher Programmatik, Intimität und technischer Brillanz. Letzteres durfte mit Blick auf Krampens musikalische Vita kaum bezweifelt worden sein. Umrahmt von kurzen Sätzen Bachs, dessen Werke Krampen im Bezug auf ihre Wirkungsgeschichte als die „Ursuppe der Musik“ bezeichnete, entfaltete sich ein betörend schönes und bisweilen verstörendes Programm. Dafür hatte er nicht nur Stücke ausgesucht, die ihm persönlich gefallen. Sie sollten vielmehr auch Sinn machen, aufgeführt zu werden, weil sie harmonisch, rhythmisch und nicht zuletzt inhaltlich verstanden werden können.

„Es gibt immer einen Morgen“

Einen der Höhepunkte bildete das Stück „Through time & Space – time collapse“ des kanadischen Komponisten John Thrower. Man verlor mitunter die Orientierung in dem Kollektiv an lebhaften Motiven, die ohne erkennbaren Grund zusammen gefügt wurden, fühlte sich dann aber in eingängigere Themen ein. Einleitend erläuterte Krampen einen Traum Throwers, dessen Reflexion er in einem Vorwort zur Komposition niederschrieb: Eine Welle repräsentiert darin eine destruktive Kraft, die das Ende herbeizuführen schien. Doch war das Fazit des Traumes ein anderes: „Es gibt immer einen Morgen“. So wird im Traum und in der Musik in Frage gestellt, was bedrohlich erscheint: Zerstörung als Voraussetzung für Neues, als Zäsur und Ende überkommener Strukturen. Das Aufsprengen musikalischer Denk- und Schöpfungsmuster wird zunächst als Gewaltakt empfunden. Die neue schöpferische Kraft stimmt jedoch versöhnlich und verändert den Blick auf den Prozess.

Auch für das „Dies Irae“ in Berkeleys „Funerals & Fandangos“ hatte Krampen eine versöhnliche Interpretation. Er sieht das Motiv als Chance. Krampen führte das Publikum durch einen Wirbel musikalischer Themen mit bizarren Brüchen in eine faszinierende Stille hinein. Er spielte hingebungsvoll und leidenschaftlich.

Der Zuschauer hatte Anteil an einer besonderen Beziehung zwischen Instrument, Künstler und Musik. Die Erläuterungen waren spannend und informativ, der Musiker spontan, charmant und sympathisch. Krampen stellte in seinem Gesprächskonzert eine gelungene Verbindung zu den Stücken her und erleichterte so den Zugang zur Musik mit ihrer eigenwilligen Wirkung. Krampen hinterließ ein beeindrucktes Publikum, das sich nicht so recht von den Stühlen erheben wollte, als das Konzert nach einer Zugabe endete.

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24.09.2013 | Bischofsheim

Bischofsheim: Violinist Johannes Kampen im Konzert

(aft). Beinahe wehklagend arbeitet sich die Violine des Solisten Johannes Krampen in die dreigestrichene Region des Geigenhalses, um dann wieder und wieder in stürmischen Sechzehnteln zurück in das tiefe Bassregister zu fallen.

Die darauffolgenden stakkatierten Dissonanzen leiten über in die nächste Motivik des dargebotenen Stückes John Throwers „Through time and space – time collapse“ im Bischofsheimer Heimatmuseum. Ein Stück, das in den achtziger Jahren geschrieben wurde, jedoch entgegen dem von damalig anhaltender Aufbruchsstimmung in die Atonalität getragenen Zeitgeist komponiert wurde.

Das prägendste Stück Musik

Vielleicht ist es auch der Tatsache geschuldet, dass Krampen Thrower im Jahr 2004 persönlich getroffen hat und dann im Jahre 2006 den „Zeitkollaps“ uraufführte, in leicht bearbeiteter Fassung. Aber dieses Stück Musik ist die wohl prägendste an diesem Abend und verleiht dem ganzen Programm erst den Unterton, die Bedeutung der Musik durch deren Geschichte zu verstehen und weiterzugeben.

Für Krampen ist vor allem die tonale und rhythmische Basis der Komposition, wie auch der anderen an diesem Abend vorgetragenen Stücke, wichtig. Fast als Avantgarde könnte man sein Programm bezeichnen, der tonale Referenzpunkt soll aber erhalten bleiben.

Daher auch die leicht erschlagende, aber für klassische Musik typische Namensgebung des Debütalbums „Violosophy vol. 1 – modern music in postmodern times“.

So auch die Auswahl: Neben Auszügen klassischer Sonaten Bachs kommen Capricen und Zufallsmusik Throwers, aber auch Kompositionen Michael Berkeleys zur Geltung.

Bach wirkt bei ihm beinahe schon konservativ: Klassisch eben, gebunden an die Sonatenhauptsatzform, eindeutige Harmonien. Die eigentlichen Schmuckstücke des Abends sind die gerade noch erkennbar tonalen Stücke wie das eingangsbeschriebene von Thrower oder Berkeleys „Funerals and Fandangos“, bei dem leise der gregorianische Choral „Dies irae“ im Untergrund mit schwelt.

Bei dieser Musik wirkt Krampen dann sehr konzentriert, diszipliniert, untermalt jedoch auch die Musik mit ausdrucksstarker Mimik. Kleine einführende Geschichten wie Vorworte zu den einzelnen Stücken oder kleineren Anekdoten untermalt er durch sprachliche Tonmalerei seiner durch alle Register mäandernden Stimme.

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Klassik meets Rock der Meisterklasse mit Johannes Krampen und Sascha im Quadrat

“Sascha im Quadrat” mit Johannes Krampen begeisterte am gestrigen Abend im Casino des Capitols Mannheim

Vor 1 1/2 Wochen stellten wir Euch im Blog Johannes Krampen vor. Gestern war es dann soweit. Das angekündigte Konzert im Casino des Capitols Mannheim im Rahmen von “Sascha im Quadrat” begeisterte die zahlreichen Besucher. “SASCHA IM QUADRAT” – das sind Sascha Kleinophorst, Sascha Krebs und Frank Schäffer, die mit ihrer lockeren, witzigen und professionellen Darbietung auf ganzer Linie überzeugten. Eingeladen hatten die drei sich, als Stargast, Johannes Krampen. Ein großes Experiment für die rockigen Mannheimer. Johannes stellte Stücke aus seinem Album vor und schaffte es durch sein Charisma die Gäste zu begeistern. “Through time & space – the time collpase” überzeugte und geschickt wurde das Publikum mit eingebunden genau hinzuhören. Viele besondere Momente machten den Abend zu etwas ganz Großem.

Bewegende Momente wurden in der Kombi “Sascha im Quadrat” gemeinsam mit Johannes Krampen geschafft. Songs wie “Question” von der Manfred Mann’s Earth Band, “Easy” von Lionel Richie & “Dieser Weg” von Xavier Naidoo gingen unter die Haut. Frank Schäffer am Klavier und Sascha Kleinophorst banden den “geilen Geiger”, wie Sascha Krebs ihn wunderbar beschrieb, in das Team ein, als gehöre er dazu. Das Publikum feierte das Quartett mit viel Applaus.

“Auch wenn die moderne klassische Musik gar nicht so meins ist”, sagte ein Gast zu Johannes Krampen, “… SIE haben mich überzeugt! Sie sind genial!” Auch wir waren vor allem von der Kombi der Saschas, Frank Schäffer und Johannes Krampen sehr angetan.

Rund um kann man mit Begeisterung sagen, dass es ein wundervoller Abend war.

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STIMME HEILBRONN

Kultur Regional | Freitag, 11.Oktober 2013-10-16 | Von Michaela Adick

Moderne musik in Postmodernen Zeiten – Johannes Krampen mit seiner „Violosophy „in der Ebene

Heilbronn

Kant und Konsorten mögen sich im Grabe umdrehen. Aber die liebe Philosophie ist auch nicht mehr das, was sie einmal war, nicht seitdem jeder Autobauer und Kaffeehausbesitzer sich bemüßigt fühlt, seine eigene Philosophie zu entdecken. Der junge Violinist Johannes Krampen will es allerdings noch einmal mit ihr versuchen und das unter besonderer Berücksichtigung der Geigenkunst, wie er in der Ebene 3 neckisch anmerkt.

„Violosophy“ nennt er hintersinnig sein Projekt, für das er halb vergessene Komponisten ausgegraben hat. Wer würde heute schon noch vom Griechen Nikis Skalkottas sprechen, der in den zwanziger Jahren bei Arnold Schönberg studierte? Er hatte einfach Pech, spekulierte Krampen. Sein Visum lief eines Tages ab. Er musste zurück. „Griechenland war damals wie jetzt gerade kein Mekka der klassischen Musik.“

Verkannt

Und, wo wir bei den großen Verkannten sind: Wer erinnert sich noch an die Capricen eines Richard Flury? Und Michael Berkeley? Der mag James – Bond – Aficionados als Komponist der Titelmelodie von „Golden Eye“ in Erinnerung geblieben sein. Von der Queen zum Baron Berkeley of Knighton geadelt wurde er deswegen sicher nicht. Eher für die Oper die mit seinem Librettisten Ian McEwan produzierte. Oder den zeitgenössischen Totentanz „Funerals & Fandangos“.

In einem unterhaltsamen Gesprächskonzert erzählt Johannes Krampen, der sowohl den ‚Heidelberger Sinfonikern‘ wie dem ‚Mannheimer Mozartorchester‘ verbunden ist, von seiner detektivischen Spurensuche. „Motorisch temperamentvoll, mutwillig dissonant.“ Das sagten schon die Zeitgenossen Skalkottas über dessen „Sonate für violine allein“ aus dem Jahr 1926.

Kammerspiel

Johannes Krampen, entschlossen den Gegenbeweis anzutreten, greift zu seiner Violine. Ein intimes Kammerspiel beginnt. Virtuos, klar strukturiert. Und ziemlich dissonant. Kein Grund zur Beunruhigung. Man hat ja schließlich Johannes Krampen, der gleich über die Tücken der Virtuosität spricht und zur Abkühlung der Gemüter den Schweizer Richard Flury (1896 – 1967) vorstellt.

Der mochte es nämlich gerne spätromantisch. Ein Verweigerer, der sich nicht beirren ließ. Wie auch der kanadische Saxofonist John Thrower, der es eigentlich geschafft hatte. Oder das, was man landläufig darunter versteht. In einem Atemzug mit John Cage wurde er genannt. Krampen hat ihn wieder entdeckt. Eine Reise durch Zeit und Raum beginnt, die im „Time Collapse“ den Höhepunkt findet.

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